Aufbrüche – Ideen – Reflexionen

Noch vor wenigen Jahren galt das Landleben als Auslaufmodell. Inzwischen ist eine neue Ländlichkeit auf dem Vormarsch: ein Leben in agrarischer Landschaft mit Lebensformen und Erwerbsmodellen jenseits der Landwirtschaft. Gerade die Pandemie hat mit neuen digitalen Formaten das Interesse am ländlichen Wohnen befördert. Gutes Leben auf dem Land suchen immer mehr Menschen aus der Großstadt. Diese neue Ländlichkeit bietet ebenso Chancen wie Herausforderungen.

Bereits 2020 haben sich die Mecklenburger AnStiftung und die Europäische Akademie Mecklenburg-Vorpommern e.V. zusammengetan, um diesen Wandel mit Impulsen aus Wissenschaft und Praxis zu beleuchten und zu gestalten. Nach bisher 20 Veranstaltungen starten wir einen neuen Jahreszyklus – immer am ersten Montag des Monats als Online- Beitrag per Zoom.

Den Zoom-Einwahllink für alle Veranstaltungen der Reihe erhalten Sie bei der Europäischen Akademie MV nach Anmeldung.

Wir freuen uns auf Ihr Interesse!

Programm

7. Februar 2022 – 18:00 Uhr

Wachsender Lieferverkehr; schrumpfender ÖPNV; steigende PKW-Kosten:
Wie ländliche Mobilität zu entwickeln ist.

Anja Sylvester, LaLuG LandLogistik GmbH

Ja. Unsere Dörfer sind zu retten! Der Ländliche Raum hat enorm viel Potenzial. Es gibt kreative Menschen, die ihre Region voranbringen und viele Ressourcen, die es auszuschöpfen gilt. Wie diese für eine clevere Logistik genutzt werden und damit wichtige Impulse für regionale Wirtschaft, Nahversorgung und Verkehrswende geben können, darum geht es in diesem Vortrag.

7. März 2022 – 18:00 Uhr

Gebietsreformen im ländlichen Raum
Notwendiges Übel oder Irrweg?

Prof. Dr. Felix Rösel, Institut für Volkswirtschaftslehre, Technische Universität Braunschweig

Die Zusammenlegung von Gemeinden und Kreisen in Deutschland und insbesondere Ostdeutschland, aber auch im Ausland, wurde lange als Königsweg der Effizienzgewinne und Kosteneinsparungen dargestellt. Die Realität sieht anders aus. Welche Erfahrungen wurden gemacht, welche Alternativen gibt es und wie lassen sich negative Reformeffekte reparieren?

4. April 2022 – 18:00 Uhr

Zwischen App und Landarzt
Perspektiven ländlicher Gesundheitsversorgung

Stefan Zutz, Vorsitzender des Hausärzteverbandes Mecklenburg-Vorpommern

In den Medien gilt der Landarzt als aussterbende Gattung, Krankenhäuser verlassen den ländlichen Raum und in der Digitalisierung hinkt unser Gesundheitssystem. Wie ist die Lage aus der Sicht eines Landarztes und wie können wir ländliche Gesundheitsversorgung zukunftsfest machen?

Zum Referenten
Stefan Zutz betreibt mit Manja Dannenberg seit mehr als 15 Jahren eine Landarztpraxis in Neubukow/Mecklenburg, engagiert sich in der Medizinerausbildung und ist Vorsitzender des Hausärzteverbands Mecklenburg-Vorpommern.

Mehr Informationen: www.ihr-landarzt.de; https://www.hausarzt-mv.de/

2. Mai 2022 – 18:00 Uhr

Stadt, Land, Landwirtschaft – und wie sie kulturell zusammenhängen

Uta Ruge, Autorin

Mit ihrem Bestseller „Bauern, Land – Die Geschichte meines Dorfes im Weltzusammenhang“ thematisiert Uta Ruge den dramatischen Wandel in der Landwirtschaft und konfrontiert den städtischen mit dem ländlichen Blick auf Natur und Agrarproduktion. Sie hat gelernt, dass urbanes Besserwissen häufig auf Nichtwissen beruht und fragt nach dem Verlust für uns alle, wenn bäuerliche Kultur verschwindet. Wir sprechen über den Konflikt zwischen medienvermittelten Vorstellungen von Landwirtschaft bzw. Landleben und der Agrar-Realität. Es geht um den bäuerlichen Kulturbegriff und die Widersprüche urbaner Naturliebe.

Zur Referentin
Uta Ruge wuchs als Flüchtlingskind von der Insel Rügen auf einem Moorhof zwischen Elbe und Weser auf. Sie studierte Germanistik und Politik in Marburg und Berlin, arbeitete im Rotbuch-Verlag und bei der TAZ und von 1985 bis 1998 als Autorin in London. 2003 erschien ihr Buch „Windland – eine deutsche Familie auf Rügen“, 2020 „Bauern, Land“. Uta Ruge lebt in Berlin-Kreuzberg.

Mehr Informationen: https://www.uta-ruge.de/

7. Juni 2022 – 18:00 Uhr

Urbane Landlust – Freud und Leid aus bäuerlicher Sicht

Dr. Heike Müller, Geschäftsführerin des regionalen Bauernverbandes Malchin

Immer mehr Städter drängt es aufs Land, ein Trend, den Corona noch verstärkt hat. Doch in den Dörfern findet man nicht immer das erträumte Bullerbü. Traktorenlärm und Güllegeruch trüben bisweilen das Idyll, und es gibt auch Landwirte, die neue Ställe bauen wollen! Hier sind Konflikte vorprogrammiert. Kann man sie lösen? Und welche Konsequenzen ergeben sich aus dem Krieg in der Ukraine für die Versorgung mit Lebensmitteln?

Zur Referentin
Heike Müller erlernte nach dem Abitur den Beruf eines Facharbeiters für Rinderproduktion, studierte und promovierte im Fach Tierproduktion an der Universität Rostock und lebt in Basedow in der Mecklenburgischen Schweiz. Gemeinsam mit ihrem Ehemann und einer weiteren Familie ging sie 1991 das Wagnis ein, die Höfe der Schwiegereltern bzw. Eltern wieder einzurichten und eine GbR mit Milchvieh und Ackerbau zu gründen.
Als Geschäftsführerin des regionalen Bauernverbandes Malchin, Vizepräsidentin des Bauernverbandes MV, Vorsitzende des Landfrauenverbandes MV und Buchautorin kennt sie die Probleme des ländlichen Raumes sehr genau.

Mehr Informationen: https://www.facebook.com/heike.muller.75; https://www.facebook.com/SchreibendeBaeuerin/; https://twitter.com/schwarzbunt04; https://www.instagram.com/heike.mueller.65/

Moderation

Dr. Wolf Schmidt, Mecklenburger AnStiftung

Jahrgang 1952 in Warin/Mecklenburg, ist Stifter und Vorsitzender des Stiftungsrates der Mecklenburger AnStiftung. In der Hamburger Körber-Stiftung hat der studierte Historiker 27 Jahre – davon sieben Jahre als Vorstand – nationale und internationale Projekte realisiert und Verantwortung für die Entwicklung einer der größten deutschen Stiftungen getragen. Mit seiner „Stiftungspraxis“ PhiPolisConsult hat er 2008 bis 2018 Stiftungen und gemeinnützige Projekte im gesamten deutschsprachigen Raum beraten. Seit 2010 wohnt er dörflich in Dobin am See. Dr. Schmidt ist seit 2011 Sprecher des Landesnetzes der Stiftungen in Mecklenburg-Vorpommern. 2012-2015 war er Ko-Vorsitzender der Denkwerkstatt „BÜRGER.INNEN.LAND MV“. 2017 hat er mit der AnStiftung die „Initiative Neue Ländlichkeit“ gestartet. In der Schriftenreihe der Herbert Quandt-Stiftung ist sein Essay „Die Kunst des Bleibens – Wie Mecklenburg-Vorpommern mit Kultur gewinnt“ erschienen, im „Aktionsprogramm Nachhaltige Landwirtschaft in MV 2015“ sein Beitrag „Dörfer im Garten der Metropolen“. 2017 erschien „Luxus Landleben. Neue Ländlichkeit am Beispiel Mecklenburgs.“
2019 „Das fremde Land – zum Verständnis ländlicher Milieus“ In: Dorfgespräch. Ein Beitrag zur Demokratieentwicklung im ländlichen Raum.  Über Neue Ländlichkeit schreibt er u.a. in www.landblog-mv.de.    
Kontakt: 
https://dr-wolf-schmidt.de/

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