Mecklenburger AnStiftung

Bürger.Innen.Land MV

Überblick

Die Mecklenburger AnStiftung beriet im Herbst 2011 gemeinsam mit der Herbert Quandt-Stiftung über die Einrichtung eines Programms, das das vielfältige Engagement der Menschen im Nordosten der Republik unterstützen könnte. Mit dem Jahr 2012 startete dieses Programm unter dem Namen „Bürger.Innen.Land – Für eine aktive Zivilgesellschaft in Mecklenburg-Vorpommern“. Seit Juni 2015 wurde es von der AnStiftung federführend geleitet. An ausgewählten Orten wollte das Programm engagierten Bürgern helfen, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken und das soziale Gefüge zu stabilisieren. Der Name „Bürger.Innen.Land“ drückte nicht nur aus, dass sich das Programm an Bürgerinnen und Bürger richtete, sondern auch, dass der geografische Fokus vornehmlich auf dem Landesinneren und weniger auf den Küstenregionen des Bundeslandes lag. Das Programm stützte sich seit seinem Beginn 2012 auf drei Säulen:


Kernthemen

(1) Sozialer Zusammenhalt

Ob in der Stadt oder auf dem Land, ein starker Zusammenhalt der Bewohner untereinander hebt die Lebensqualität und trägt zum Erfolg der gesamten Gemeinschaft bei. Was vordergründig an öffentlichen Veranstaltungen im lokalen Raum wie Dorffesten oder Feiern von Vereinen sichtbar wird, erhöht grundsätzlicher betrachtet das gegenseitige Verständnis im tagtäglichen Umgang miteinander. Durch intakte gesellschaftliche Bindekräfte identifizieren sich die Bürger stärker mit der Gemeinschaft und dem Ort, an dem sie leben. Eine wichtige Bedingung für weiteres Engagement.

(2) Demografische Entwicklung

Während die Zahl älterer Menschen in Deutschland kontinuierlich steigt, nimmt die Zahl der Jüngeren stetig ab. Was zu Vereinsamung und einem erhöhten Pflegebedarf auf Seiten der Älteren führt, hat bei den Jüngeren immer größere finanzielle, private, aber auch berufliche Belastungen zur Folge. Der demografische Wandel hat jedoch auch eine positive Seite: Ältere Menschen sind immer länger in der Lage, sich für die Gesellschaft zu engagieren. Sie können Erfahrungen weitergeben und die Jüngeren entlasten. Jung und Alt mit ihren unterschiedlichen Interessen und Fähigkeiten zusammenzubringen und für gemeinsames bürgerschaftliches Engagement zu begeistern, ist daher eine wesentliche Aufgabe für die Gestaltung der Zukunft.

(3) Abwanderung und wirtschaftliche Entwicklung

Die starke Abwanderung der jüngeren und speziell weiblichen Leistungsträger aus Mecklenburg-Vorpommern schwächt die soziale Struktur und die gesellschaftlichen Bindekräfte. Regionale Unternehmen beklagen den Abzug, weil sie händeringend nach Fachkräften suchen. Durch bürgerschaftliches Engagement kann eine Stadt an Lebensqualität und Attraktivität gewinnen. So kann Abwanderung verlangsamt oder sogar die Rückkehr ehemaliger Einwohner erreicht werden, damit soziale Netze funktionstüchtig bleiben oder wieder werden.

(4) Demokratiebewusstsein

Angesichts vielfältiger Herausforderungen in Mecklenburg-Vorpommern entsteht bei den Menschen häufig das Gefühl, ihr Gemeinwesen könne die anstehenden Probleme nicht mehr lösen. Von diesem Frustrationspotenzial profitieren verstärkt extremistische Parteien und Gruppierungen. Bürgerschaftliches Engagement dagegen stellt den eigenen Ort positiv dar und zeigt, dass die Zivilgesellschaft funktioniert. Eine Stärkung des Bewusstseins für demokratisches Zusammenleben verbessert die Bürgergesellschaft nachhaltig.

(5) Kulturpolitik im ländlichen Raum

Kunst und Kultur prägen die Identität einer Region. Besonders merkt man dies im Flächenland Mecklenburg-Vorpommern. Sie schaffen ein Lebensgefühl genau dort, wo lange Wege und ausgedünnte Landschaften zum alltäglichen Bild gehören. Eine Kulturpolitik, die sich aus engagierter Politik und wacher Zivilgesellschaft speist, ist gerade für den ländlichen Raum von entscheidender Bedeutung. Bekannte Konzepte wie der „Garten der Metropolen“ spielen ebenso eine zukunftsträchtige Rolle wie lokale Mikro-Projekte, die vom kulturellen Wirken des Menschen in der Peripherie erzählen.

Das Programm Bürger.Innen.Land MV war auf fünf Jahre zwischen 2012 und 2016 angelegt.

 

Mit freundlicher Unterstützung der Herbert Quandt-Stiftung.